Neue Osnabrücker Zeitung: Krönchen für die Kunst

Von Anne Reinert

Künstlerin verarbeitete den Teppich der Royals

 

Osnabrück. Die Kunsthalle als Asyl: In der Dominikanerkirche ist nun eine Ausstellung zu sehen, die eigentlich in einer Produzentengalerie geplant war. Ein Wasserschaden zwang zum Umzug.

Die Situation hat etwas von einer Ausstellung in einer Ausstellung: Wer die Arte Regionale in der Kunsthalle Dominikanerkirche besuchen will, kommt gleich hinter dem Eingang an einer kleineren Ausstellung vorbei. Was die Künstlerinnen Petra Höcker und Christine Wamhof dort zeigen, war eigentlich als externe Ausstellung in Höckers Produzentengalerie geplant. Die musste allerdings zwischenzeitlich wegen eines Wasserschadens geschlossen werden. Ganz schönes Künstlerpech.

„Ich bin froh, dass wir hierhin ausweichen konnten“, sagt Petra Höcker. Einen Vorteil für Besucher hat der alternative Ort auf jeden Fall: Die Ausstellung der zwei Künstlerinnen, die eigentlich mit der Kulturnacht enden sollte, ist nun bis zum Ende der Arte Regionale zu sehen.

Höcker selbst zeigt ein Bild ihrer „weißen Serie“ mit zarten Strukturen in Rosa und Schwarz und mit weichen, fließenden Konturen. „Es geht um den Punkt der Ruhe und der Stille“, sagt sie und meint damit das bewusste Schweigen. Die sich auflösenden Strukturen vermitteln das Gefühl, sich in der Ortlosigkeit aufzuhalten. Letztlich geht es Petra Höcker um Leichtigkeit.

Die Auflösung der Formen sei etwas, was sich über die Jahre in ihrer Kunst entwickelt habe, sagt Höcker. „Oft lassen sich keine festen Formen erkennen“, erklärt sie. Das gilt auch für das Beispiel in der Kunsthalle.

Das Bild gehört eigentlich zu einer vierteiligen Serie, die aus Platzgründen nicht ganz gezeigt werden kann. Ein neuer Ausstellungsort zwingt eben zum Umdenken. Auch bei Christine Wamhof, die nun nicht „träum süß“ zeigt, sondern „der blaue teppich“. Der Name stammt von dem Material, aus dem die Künstlerin ihre sechs Kronen geschaffen hat: aus dem blauen Teppich, über den Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling bei ihrer Hochzeit schritten.

Wamhof spielt mit dem ursprünglichen Objekt: Der Teppich, der die königlichen Hochzeitsgäste zu etwas Besonderem machen soll und sie vor Schmutz schützt, erhebt sich auf einmal in die Luft und bekommt etwas Empfindliches. Das Material erscheint außerdem auf einmal nicht mehr so weich und nachgiebig.

Für Christine Wamhof ist „der blaue Teppich“ deshalb ein naheliegendes Material, weil sie derzeit mit ihrer Familie in Stockholm lebt. Royalistin sei sie aber nicht, lässt sie vorsichtshalber schriftlich erklären. Das ist unnötig. Denn darauf würde bei diesem ironischen Umgang mit dem royalen Teppich niemand kommen.

 

Osnabrück, Kunsthalle Dominikanerkirche: Petra Höcker/Christine Wamhof

 

 

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